Ein Haus für Kinder
Andreas und Sarah Frehner leben und arbeiten als Missionare in Medellín (Kolumbien) und berichten über ihren Erlebnisse und die Herausforderungen im Casa Hogar.
Casa Hogar ist ein familiäres Kinderprojekt der Korporation Vida y Libertad, wo momentan 25 Mädchen und Jungen zwischen 3 und 19 Jahren zusammen in einem Haus leben
- zu Spitzenzeiten hat-ten sie über 50 Kinder. Die Kinder stammen aus zerrütte-ten Familien und ihre Eltern kümmern sich nicht gut bis gar nicht um sie. Auch müs-sen sie vor Missbräuchen aller Art geschützt werden. Doch damit sie den Kontakt zu ihren Eltern nicht verlie-ren, gehen sie jedes Wochen-ende oder jedes zweite Wo-chen-ende nach Hause, soweitkeine Gefahr für sie besteht. Auch arbeitet man mit den Familien, damit dort eine Veränderung ge-schehen kann, was leider sehr selten der Fall ist.
Casa Hogar - unsere Arbeit …
Das Schöne nach einem halben Jahr ist, dass wir bei den Kindern angekommen sind. Das heisst, wir haben den Zugang zu ihren Herzen bekommen. Vertrauen heisst kennen, und kennen heisst Zeit mit jemandem verbringen. Und so braucht es immer eine ge-wisse Zeit, bis diese Vertrautheit hergestellt ist. Das Witzige ist, dass praktisch alle kleineren Kinder uns ‚Mami‘ und ‚Papi‘ nennen, und für viele ist es auch so. Sie sagen: «Nun sind wir wie eine rich-tige Familie.» Daran sieht man, was sich jedes Kind am meisten wünscht: Eine intakte Familie, wo die Eltern sich lieben und diese sich Zeit für sie nehmen. Wir sind als Ehepaar eine fast einmalige Erscheinung. Zuhause erleben sie nicht, was eine Familie ist, weil kein Kind mit beiden Elternteilen aufwächst oder eine gesunde, intakte Familie hat. So haben wir eine besonderes Geschenk von Gott bekommen: unsere Ehe. Aber nicht nur die Kinder haben uns ins Herz geschlossen, sondern auch wir sie!
Wir haben keine Favoriten, aber dennoch gibt es Kinder, zu denen wir mehr Kontakt haben, weil diese uns ständig suchen. So z.B. die beiden Halbbrüder Alex und Diego. Diego ist der Kleinste und seine momentane Phase heisst ‚Caballito‘ (Rössli), was bedeutet, dass man ihn auf den Schultern herumtragen soll. Kaum aufgestanden - und er steht früh auf! - kommt er an-gehüpft und sagt ‚Caballito‘.
Im Juni hatten die Kinder Schulferien und so konnten wir mehr Zeit mit ihnen verbringen und spezielle Dinge unternehmen. Das för-dert die Freundschaft zwischen uns und ihnen, weshalb wir diese Zeit sehr genossen haben.
Kinderfest
Casa Hogar - Herausforderungen …
Viele Kinder haben gravierende Probleme und Verletzungen, des-halb brauchen sie professionelle Hilfe. Eine davon ist Johanna. Sie ist im Heim sehr aggressiv, zum einem physisch mit den anderen Kindern und anderseits verbal mit dem Personal, weil sie ihre Me-dikamente nicht nimmt oder diese wieder ausspuckt. Sie ist man-chmal kaum kontrollierbar. Vor einer Woche wollte sie nicht mehr im Heim sein und nach Hause gehen, weil sie einfach ihre ‚Freiheit‘ geniessen will oder besser gesagt, sich den Normen nicht unter-ordnen möchte. Doch sie kann nicht nach Hause gehen. Die ein-zige Option wäre ein anderes Kinderheim, aber dann wäre sie von ihren drei Geschwistern getrennt. Mit Hilfe eines Psychiaters konnte sie davon überzeugt werden, dass Casa Hogar wohl der Beste Ort für sie sei. Und so gibt es noch viele ähnliche, aber meist nicht so gravierende Fälle, die uns immer wieder herausfordern.
Doch die grösste Herausforderung liegt ganz woanders. Das neue Gesetz für Kinder-heime in Medellín. Es ist schon erstaunlich, dass in einem Entwicklungsland so hohe Massstäbe an Kinder-heime gestellt werden, aber keine finanzielle Hilfe dafür angeboten wird. Die Gesetze sind so streng, dass wohl die meisten Kinderheime in Kolumbien geschlossen werden müssen, und viele sind schon geschlossen worden. So beschäftigt sich unsere Chefin fast nur noch mit dem zu erledigenden Papier-kram und den Anforderungen, um die Lizenz erhalten zu können. Nun haben wir die Projektdokumentation - Beschreibung, Finanzierung, Leitkonzept, Menüplan etc. - eingereicht und war-ten auf die Akzeptanz des Projektes. Danach werden sie das Heim besuchen kommen und uns eine Liste mit allen baulichen Veränderungen zukommen lassen, die wir vornehmen müssen. Das ist dann der teure Teil. Aber erst einmal heisst es abwarten und uns so gut vorbereiten wie eben möglich. Unsere Chefin sagt: «Wir tun, was wir können. Wenn das Projekt von Gott ist und er es weiterführen möchte, wird er alles dazu Notwendige schenken.» Und so vertrauen wir auf unseren Gott und wissen, dass er keine Fehler macht.
Bildergalerie aus der Tagesstätte in Kolumbien
Kinderprogramm in der Tagesstätte
Herkunftsort einiger Kinder
Kinder mit Schuluniform






