Im 21. Jahrhundert – Ein Besuch an einem Ort den es nicht geben dürfte!
In der Bibel lesen wir immer wieder, wie Menschen mit Lepra ausgestossen wurden, sich ausserhalb des Dorfes oder der Stadt aufhalten mussten. In Lukas 17:12 lesen wir: Kurz vor einem Dorf kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in einiger Entfernung stehen.
Auch aus der Geschichte wissen wir, dass es solche Lepra-Häuser ausserhalb der Stadt gab, wo sich Menschen mit Lepra aufhalten mussten weil man annahm, dass sie sehr ansteckend wären und man sie nicht bei gesunden Menschen haben wollte.
Vor ein paar Wochen war ich in Indien, in einer grösseren, sich rasch entwickelnden Stadt, um mit der lokalen JMEM Base ein Seminar abzuhalten. Suresh, einer der Leiter, der mich begleitete und übersetzte, wollte mir zeigen, wo sie als Team medizinische Hilfe leisten. Dazu fuhren wir mit dem Auto ausserhalb der Stadt, über eine sehr holperige Dreckstrasse in ein kleines Dorf.
Dieses Dorf war eine der Lepra-Kolonien, die noch immer überall in Indien bestehen. Mitten im Dorf steht eine grosse Tafel mit dem Namen der Kolonie und macht klar, dass es sich um eine Lepra-Kolonie handelt. Das Land um die Kolonie ist trocken, es gibt kaum Wasser und doch versuchen die Bewohner der Kolonie mit Landwirtschaft etwas Geld zu verdienen. Kinder, welche in einer Lepra-Kolonie aufwachsen, haben oft keine Möglichkeit die Schule zu besuchen, da auch sie als „aussätzig“ und ansteckend angesehen werden. Manche wachsen darum in Kinderheimen, fern von den Eltern auf um eine Chance auf eine Ausbildung zu haben. Auch Suresh's Eltern hatten beide Lepra, seine Mutter starb früh und so wuchs er, wie noch viele andere Kinder aus den Lepra-Kolonien, in einem
Heim auf. Nun geht Suresh regelmässig mit seinem Team in verschiedenen Kolonien, verbindet Wunden und erzählt den Menschen von Jesus, der keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Menschen sondern sie alle lieb hat. Viele der Kolonie Bewohner sind Christen geworden.
Beim Besuch dieser Kolonie, im Kontakt mit den Menschen, die an Lepra leiden, dachte ich mir: „Wir leben doch im 21. Jahrhundert, so etwas darf es doch heute nicht mehr geben, man weiss doch, dass man Lepra behandeln kann, und sie nicht halb so ansteckend ist wie man früher mal angenommen hat.“ Und doch, Lepra-Kolonien sind in Indien noch ganz normal. Und Menschen mit Lepra werden weiter ausgestossen und nicht als Teil der Gesellschaft gesehen.
Ist das nur ein Problem Indiens? Vor Ostern kam ich aus der Ukraine nach Hause, wo ich unter anderem eingeladen war, an einem Abend mit einer Gruppe von Roma Kindern und Teenagern Gottesdienst zu feiern. In der Ukraine und auch bei uns sind es oft die Roma, die unsere „Aussätzigen“ sind.
Und auch die Geschichte mit dem schwarzen Teenager Trayvon in den USA, der wohl hauptsächlich weil er ein Schwarzer war, aufgefallen war und grundlos erschossen wurde, ist so eine „Aussätzigen“-Geschichte, die es im 21. Jahrhundert doch nicht mehr geben dürfte!
Wir haben Ostern gefeiert, den Tod und die Auferstehung Jesus, der kam um die Grenzen nieder zu reissen und Brücken zwischen den Menschen zu bauen. In Gal. 3:28 lesen wir: Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Knecht noch Freier, da ist weder Mann noch Weib; denn ihr seid alle einer in Christus Jesus.
Jesus hat uns alle frei und eins gemacht. In diesem Bewusstsein können wir seine Auferstehung im Alltag leben und die Menschen um uns herum lieben, egal wo sie her kommen oder welche Hautfarbe sie haben.
Barbara Rüegger, King's Kids






