Stories

Aus dem Leben einer Kurzzeiterin

Ich bin nun seit fünf Monaten für meinen Kurzeinsatz in Guinea und mit der Zeit wird so das eine oder andere zu meinem Alltag. Es gibt Situationen, die ich als völlig normal wahrnehme – ein paar Momente später wird mir jedoch bewusst, dass das mit europäischen Augen gesehen vielleicht alles andere als die Norm ist.

Hier ein paar Situationen, die mein «täglich Brot» sind:

  1. Mülleimer voll. Ich geh raus und verbrenn alles im Garten.
  2. Hab mir ein neues Handy gekauft. Der Verkäufer fragte, ob wir Strom zuhause haben. Fand nichts Ungewöhnliches an der Frage …
  3. 20 Liter Wasser schleppen? Kanister auf den Kopf und los geht’s!
  4. Ich werde regelmässig von Fremden auf der Strasse gefragt, ob ich sie (oder ihren Bruder oder Onkel) heiraten möchte.
  5. Am Morgen laufe ich in den Garten und pflücke mir ein paar Mangos zum Frühstück. Mein Mango Konsum stieg in den letzten Wochen auf 20-30 Mangos pro Woche an.
  6. Riesige Schlaglöcher, grosse Steine auf der Straße, Pfützen so groß wie der Bodensee (okay, vielleicht etwas kleiner), Flüsse, die die Straße kreuzen … ein Bild das sich mir täglich bietet. Seit einer halben Ewigkeit hab ich keine Teerstrasse mehr gesehen.
  7. Keine Konversation beginnt, bevor man sich nicht ausführlich über das Wohlergehen seines Gegenübers, seiner Eltern, seines Hauses, der Familie, der Gesundheit und der Kinder ausgetauscht hat.
  8. War in einem Restaurant mit kaputten Stühlen, der Putz blätterte von den Wänden, alles voller Staub und ich dachte mir: Wow, ein richtig schönes Restaurant, hier sollte ich öfter herkommen (kein Witz!)!
  9. Hab mit einer Freundin ausgemacht, um 8 Uhr loszugehen. Um 9 Uhr treffen wir uns und gehen dann um halb 10 los.
  10. Der Moto-Taxi-Fahrer fragt mich, wo ich hinmöchte. Ich sag ihm den Namen meiner Nachbarn und komme sicher zu Hause an. Es gibt weder Strassennamen noch Hausnummern oder Türklingeln oder Briefkästen.
  11. Hab letztens eine weisse Person gesehen, die ich nicht kannte. Bin für fünf Minuten stehen geblieben, hab ihn angestarrt und begonnen «Porto, Porto!» (Weisser, Weisser!) zu rufen, wie das die Guineer hier auch machen.
  12. Man, schon wieder meinen Schlüssel vergessen! Ach egal, gut, dass ich schon weiss, wie man mit Wickelrock über unsere zwei Meter hohe Mauer mit Stacheldraht klettert.
  13. Gestern zwei Millionen auf der Bank geholt. Das Geld reicht dann wieder für ein paar Wochen (1 Franken = 9500 Franc Guinée).


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